Wissenswertes über die Oboe

Die Oboe gehört (so wie die Obore d´amore und das Englischhorn) zu den Doppelrohrblatt-Instrumenten und hat sich Mitte des 17. Jahrhunderts aus der Schalmei entwickelt. Seitdem ist die Oboe in allen großen Orchester-Aufführungen zu finden.

Geschichte der Oboe in Kurzfassung

Etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts hatte sich die Oboe aus dem Bombhart (= der Melodiepfeife des Dudelsacks), dem Pommer und der Schalmei entwickelt. Es gelten andererseits auch Jean de Hotteterre und M. Philidor als die Erfinder, die jedenfalls nach 1655 in Frankreich Oboen bauten und auch selbst spielten. Ab 1664 verwendet Jean-Baptiste Lully Oboen im Orchester. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die Oboen noch sieben Grifflöcher (das 3. und 4. als Doppelloch) und zwei Klappen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden dann Anstrengungen unternommen, die Zahl der Grifflöcher zu vermehren, um alle chromatischen Töne spielbar zu machen.

Ab 1840 entwickelte Georges-Louis-Guillaume Triébert in Anlehnung an die Konstruktionsprinzipien von Theobald Böhm den französischen Typus und die im Prinzip bis heute verwendete Mechanik. Die Komponisten des 18. Jh. schrieben für die Oboe Sonaten, Suiten und Konzerte (Vivaldi, Telemann, Bach, Mozart u.a.) und verwendeten sie reichlich in Orchesterwerken, Opern, Oratorien und Kantaten. In der Klassik gehörten meist zwei Oboen zum Bläsersatz. Seltsamerweise war in der Romantik das Interesse an Sololiteratur für Oboe eher gering, dagegen sind uns viele berühmte Soli in den Orchesterwerken bekannt, und auch das Englischhorn findet reichlich Verwendung. In der Spätromantik und in neuerer Zeit sind Oboe wie Englischhorn aus den Sinfonieorchestern und Kammermusikensembles nicht mehr wegzudenken.

Die historische Oboe d’amore

Die eine kleine Terz tiefer klingende (in A) Oboe d’amore (= Oboe der Liebe) spielt speziell in der Barockmusik eine wichtige Rolle (Bach: Kantaten und Passionen), gerät mit dem Beginn der Klassik und in der Romantik aber völlig in Vergessenheit. Ihr weicher, samtener Ton entsteht einesteils durch den birnenförmigen Becher (genannt Liebesfuß), insbesondere aber durch die spezielle Rohrblattdimension und den S-Bogen.

Das historische Englischhorn

Das eine Quinte tiefer als die Oboe in c klingende Englischhorn (in F), also sozusagen die Altoboe, spielt zwar in der Barockmusik eine besonders wichtige Rolle, ist aber im Unterschied zur Oboe d’amore nie mehr in Vergessenheit geraten. Es ist nach wie vor nicht geklärt, woher und warum die irreführende Bezeichnung Horn entstand. Es gibt dafür verschiedene Theorien: Da es die heute üblichen Mechaniken noch nicht gab, musste diese Altoboe unter anderem gebogen, d. h. wie ein Horn gebaut werden. Eine weitere Vermutung ist, dass das Englischhorn aus der Oboe da caccia entstanden ist, die einen hornförmigen Metallbecher hatte. Woher die Bezeichnung englisch kommt, ist ebenfalls ungeklärt. Entweder bezeichnete man damit tatsächlich die Herkunft (aus England), wofür besonders der italienische Name Corno inglese spricht, oder aber das Wort englisch bedeutet so viel wie engelhaft , engelgleich . Durch eine Verballhornung könnte "englisch" auch von der englischen Bezeichnung "angled horn (=geknicktes Horn) abgeleitet worden sein.

Familie der Oboen

Tonumfang der wichtigsten Oboen-Arten:

Instrument Tonumfang erklingt...
Oboe in c b - a" wie notiert
Oboe d’amore in a g - d" eine kleine Terz tiefer als notiert
Englischhorn in f es - c" eine Quinte tiefer als notiert
Heckelphon in c (selten) A - c " eine Oktave tiefer als notiert

 

Alle Oboen, einschließlich der Bariton-Oboe und des Heckelphons, werden im Violinschlüssel notiert.

Wie entsteht der Ton einer Oboe?

Die Luftsäule im konisch gebohrten Oboenkorpus wird durch das Prinzip der "gegenschwingenden
Zungen" zur Schwingung gebracht. Zwei eng aufeinanderliegende Rohrblätter beginnen zwischen den Lippen des Bläsers durch ihre Elastizität und den Gegendruck der Luft regelmäßig zu vibrieren. Dies überträgt sich auf die Luftsäule im Oboenrohr und bildet eine "stehende Luftschwingung".

Hölzer und andere Materialien für die Herstellung von Oboen

Oboenrohre
Schilfrohr (lat.: arundo donax), gehobelt und gebunden, das besonders auf Plantagen im Mündungsgebiet der Rhône, an der Côte d Azur, in Spanien, Amerika und in Neuseeland geerntet wird.

Korpus
Hauptsächlich Grenadillholz, sehr selten auch Veilchenholz, Macassar, Cochenille, Königsholz (=
Edelpalisander), Rosenholz, bei einfachen Schulinstrumenten auch Ahorn bzw. Kunststoff.

Mechanik
Stanz- oder Gußteile aus Neusilber, selten Silber, vernickelt, versilbert oder vergoldet. Federn aus
hochwertigem, rostfreiem Federstahl, Polster aus porenfreiem Kork, Hauptpolster aus Filz mit doppelter Goldschlägerhaut (auch irreführende Bezeichnung: Fischhaut).

 

Qualität der Oboe
Bei Oboen sind der konische Korpus und eine besonders kompliziert wirkende, reiche Mechanik
auffallend. Die heute in der ganzen Welt gespielten Oboen mit französischem Konservatoriums-System sind ein kleines mechanisches Wunderwerk. Beachtlich ist die außerordentliche Exaktheit der Mechanikfunktion bei diesen Instrumenten: Die einzelnen Klappen schließen und öffnen sich in kleinsten und feinsten Bewegungen. Eine Reihe von Arbeitsgängen sind nur handwerklich möglich. Aus diesem Grund sind Oboen deutlich teurer als z. B. Klarinetten oder Querflöten.

Bei Oboen wie bei Klarinetten sind verschiedene Mechaniken und Griffweisen bekannt, zu denen
Theobald Böhms Erfindungen wichtige Anregungen gaben. Heute wird weltweit fast ausschließlich das sogenannte Französische Konservatoriums-System bevorzugt, als dessen Vater Frédéric Triébert (1813 - 1878) gilt.
In Deutschland wird hierbei fast ausschließlich das vollautomatische Griffsystem verwendet. Hierbei
schaltet die Oktavmechanik von der unteren zur oberen Oktavklappe „automatisch“ um. International wird häufig das sog. halbautomatische System gespielt, bei dem der Bläser die Oktavklappe manuell
umschalten muss.
Was die Qualität der Instrumente betrifft, kann an dieser Stelle auf die Qualitätseigenschaften der
Querflöten verwiesen werden. Der Korpus ist Grundlage für Klangqualität und Intonation des Instruments.
Aus diesem Grund sollten ausgesuchte, feine und möglichst natürlich abgelagerte Hölzer verwendet
werden. Auf die Ausarbeitung der Bohrung muss darüber hinaus höchste Sorgfalt gelegt werden (exakte Tonlochunterschneidung, handgeschliffene und polierte Bohrung). Eine erstklassige Verarbeitung der Mechanik ist Grundlage für bequeme Handhabung des Instruments. Darüber hinaus wird von einer Mechanik eine gute Versilberung bzw. Vergoldung, geräuscharme Funktion und optimale Grifflage erwartet. Insgesamt sollten die Instrumente durch gute Intonation, einen schönen und ausgeglichenen Klang sowie ausgewogene Ansprache in allen Lagen überzeugen.

Wie entsteht ein Oboenrohrblatt?

Das auf Wunsch bereits vom Lieferanten ausgehobelte und geschnittene Rohrholz (das Auswählen des Holzes ist Erfahrungssache) wird auf das Oboen-Halbiermaß aufgespannt und vorsichtig eingeschnitten.
Sodann wird das Holz auf dem Faconschneider geknickt, aufgespannt und mit einem feinen Messer auf Facon geschnitten. Will man sich diese Vorarbeiten ersparen, so kann man das wie oben bereits geformte und geknickte Holz auch schon vorgefertigt kaufen.
Man nimmt nun eine Messinghülse mit Kork, wickelt das vorgefertigte Holz mit einem speziellen Nylon-Bindegarn exakt und fest auf die Hülse und schneidet es am oberen Ende mit einem Oboenrohr-Abschneider auf. In das nun offene Ende führt man eine Schabezunge ein, kerbt in das Holz zunächst vorsichtig eine Halbmondform ein und schabt es anschließend mit einem sehr scharfen und feinen Schabemesser nach vorne konisch ab. Am vorderen Ende darf das Holz nur noch Bruchteile von Millimetern stark sein, denn man kann gerade anhand dieser Ausarbeitung bzw. der belassenen Stärke des Holzes den späteren Klang beeinflussen. Nun ist das Rohr auf Dichte an den Rändern zu prüfen.
Sind diese nicht absolut dicht, wird ein Stück feuchte Fischhaut (= Goldschlägerhaut) um die
luftdurchlässigen Stellen gewickelt. Das Oboenrohr ist jetzt spielfertig.
Schwere, strenge Rohre klingen dunkel und warm. Dieser Klang kann als typisch für das Oboenregister der großen deutschen und österreichischen Sinfonieorchester gelten. Leichte Rohre haben dagegen einen mehr hellen, etwas nasalen Ton. Sie sprechen auch leichter an, so dass schnelle, virtuose und schwierige Passagen leichter zu bewältigen sind. Versierte Musiker gehen übrigens davon aus, dass sie von hundert hergestellten Rohren ca. sechzig Stück gut brauchen können. Die Lebensdauer eines Rohres ist verhältnismäßig kurz (bei häufigem Blasen etwa nur 14 Tage). Für Schüler (auch manchmal für Notfälle bei Orchestermusikern) gibt es fertige Fiberglas-Rohre zu kaufen, die zwar nicht den Klang eines guten Holzrohres haben, aber durchaus brauchbar und sehr robust sind (Lange Haltbarkeit - Nässeunempfindlichkeit!).

Bekannte Oboenhersteller

Es handelt sich bei dieser Angabe um Holzblasinstrumenten-Hersteller, die sich besonders auch auf die Fertigung von Oboen spezialisiert haben:

Adler Mönning Fossati
Püchner Howarth Rigoutat
Buffet Crampon F. Lorée Marigaux
Yamaha    

 

 

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