Wissenswertes über die Klarinette

Die Klarinette. Ähnlich zu spielen wie das Saxophon, ist sie aus allen Bereichen der Musik kaum mehr wegzudenken. Egal ob Klassik, Jazz oder Klezmer, die Klarinette erfreut sich weiterhin größter Beliebtheit.

Geschichte der Klarinette in Kurzfassung

Die Erfindung der Tonerzeugung mit einfachem, aufgebundenem Rohrblatt geht auf die antiken, asiatischen Länder bzw. auf Altägypten, mit dem uns aus Abbildungen bekannten Arghul, zurück. In Europa kennen wir seit dem Mittelalter das Chalumeau als reines Volksmusikinstrument. Die Entwicklung zur Klarinette dürfte gleichzeitig mit wesentlichen Verbesserungen am Chalumeau zu Ende des 17. Jahrhunderts durch den Instrumentenbauer Johann Christoph Denner gelungen sein. Im Jahre 1732 taucht der Name Klarinette erstmals für dieses neue Instrument auf, das einen wesentlich längeren Korpus und einen Trichterbecher hatte. Weitere Verbesserungen folgen, bis Iwan Müller Anfang des 19. Jahrhunderts eine moderne Klarinette mit 13 Klappen vorlegte. Weitere Verbesserungen folgten bis auf den heutigen Tag. 1850 übertrugen französische Instrumentenbauer (L. A. Buffet und E. Klosé) das Böhmsystem der Querflöte auf die Klarinette und sorgten damit bei Klarinetten für zwei verschiedene Klappen- und Griffsysteme. Weitere Verbesserungen und Patente, auch beim Böhm-System, führten zu den heute gespielten, sehr vollkommenen Instrumenten.

Instrument Tonumfang erklingt eine...

Klarinette in As 

c -as kleine Sext höher als notiert
Klarinette in G h-e Quinte höher als notiert
* Klarinette in Es  g-es  kleine Terz höher als notiert
Klarinette in D fis-d große Sekunde höher als notiert
* Klarinette in C e-c wie notiert
* Klarinette in B d-b große Sekunde tiefer als notiert
* Klarinette in A cis-a große Terz tiefer als notiert
Bassetthorn in F F-f Quinte tiefer als notiert
Altklarinette in Es Es-es große Sexte tiefer als notiert
Bass-Klarinette in C C-g Oktave tiefer als notiert
* Bass-Klarinette in B B1-f große None tiefer als notiert
Bass-Klarinette in A A1 –e kleine Dezime tiefer als notiert
Kontra-Bass-Klarinette in B D1-f Oktave und große Sexte tiefer a. notiert
Kontra-Bass-Klarinette in Es G2-b Oktave und große None tiefer a. notiert

 

Die heute gängigen und gebräuchlichen Instrumente sind mit * versehen!
Alle Klarinetten mit Ausnahme der C-Klarinette sind transponierende Instrumente. Die Baß- und Kontrabaßklarinetten werden teils im Violinschlüssel, teils im Baßschlüssel notiert.

Unterschied Klarinette – Oboe

Die Unterschiede der Instrumente ergeben sich oft erst bei genauerem Hinsehen. Die Oboe ist ein Doppelrohrblattinstrument. Klarinetten werden nur mit einem einfachen Rohrblatt geblasen. Klarinetten weisen eine weitgehend zylindrische Bohrung mit gleich bleibendem Durchmesser auf, während Oboen oben sehr eng gebaut sind und nach unten konisch breiter werden. Beide Faktoren zusammen führen zu einer unterschiedlichen Klangfärbung. Darüber hinaus unterscheidet sich die sehr komplizierte Mechanik der Oboen von der wesentlich einfacheren Mechanik der Klarinetten.

Exkurs: transponierende Holz- und Metallblasinstrumente am Beispiel der Klarinetten

Bläst ein Klarinettist nach seiner Grifftabelle auf einer B-Klarinette vermeintlich ein c, so erklingt real ein Ganzton tiefer, nämlich ein b. Bläst er dagegen ein c mit einer Es-Klarinette, so erklingt real ein es. In der Literatur für Bläser ist die Schreibweise für transponierende Instrumente berücksichtigt, die für die meisten Holz- und Metallblasinstrumente gilt. Warum gibt es diese Schreibweise, diese Transpositionen? - Was haben sie für einen Sinn? - Der Bläser, in diesem Falle der Klarinettist, müsste ansonsten für jede der verschiedenen Klarinetten in den unterschiedlichen Grundstimmungen (in Es, in B, in A, in F) eine gänzlich neue Griffweise erlernen. Die Frage stellt sich, warum man so viele Grundstimmungen braucht. Warum genügt nicht einfach die nicht transponierende C-Klarinette? - Die Antwort lautet, dass man damit auf die verschiedenen Tonlagen und Tonumfänge, und somit auch auf die unterschiedlichen Klangfärbungen, also auf die gesamte bisher komponierte Literatur verzichten müsste.

Bauweisen und Bestandteile der Klarinetten

Die Klarinette besteht aus fünf Teilen:
Mundstück: wegen des Aussehens auch Schnabel genannt, mit einfachem Rohrblatt,
Klammer, Schutzkappe. Es gibt Klarinettenmundstücke für Deutsches System und Böhmsystem.

Birne: (auch Fäßchen genannt): Höherwertige Solo- und Künstlerinstrumente werden meist mit 2 verschieden langen Birnen geliefert, um damit die Möglichkeit zu bieten, verschieden hohe Grundstimmungen zu bekommen. Auch hier besteht ein Unterschied zwischen einer Birne für Deutsches System oder für Böhmsystem in der Gesamtlänge und der Bohrung

Oberstück: zylindrische Bohrung, mit einem Teil der Mechanik

Unterstück: zylindrische Bohrung, nach unten hin konisch werdend, mit einem Teil der Mechanik

Becher: trichterförmig

Wie entsteht ein Ton bei Klarinetten

Der Schwingungserreger bei Klarinetten ist ein einfaches Rohrblatt als "aufschlagende Zunge", gespannt auf ein schnabelförmiges Mundstück. Das Rohrblatt gerät im Mund des Bläsers durch das Anblasen in regelmäßige Schwingungen. Dadurch wird die Luft im Resonanzrohr ebenfalls zum Schwingen gebracht. Es entsteht der Ton.

Hölzer und andere Materialien für die Herstellung von Klarinetten

Der Korpus der Klarinetten wird meist aus Grenadillholz oder afrikanischem Ebenholz, gelegentlich aus Königsholz, Veilchenholz oder, bei historischen Klarinetten, aus einheimischen Obsthölzern (Pflaume, Kirsche, Birne) oder Buchsbaum gefertigt. Für Schulzwecke oder Aufführungen im Freien werden auch Instrumente aus verschiedenen Kunststoffen (meist Ebonit), Kautschuk oder selten auch aus Plexiglas oder Metall (Messing, Neusilber, Silber) angeboten. Die Mechanik wird aus Messing, Neusilber und Silber (letzteres sehr selten) gefertigt. Klarinettenmundstücke werden aus Kautschuk, Ebonit, Acryl (= Plexiglas), Kristallglas angeboten. Klarinettenblätter werden aus einem speziellen Schilfrohr (lat.: arundo donax) gefertigt.

Böhm-System – Deutsches System

Klarinetten werden traditionell mit zwei unterschiedlich konstruierten Mechaniken gebaut, die natürlich auch verschieden gegriffen und gespielt werden müssen. Diese zwei nebeneinander existierenden Griffsysteme kennt man allerdings nur in Deutschland, Österreich und Teilen der Schweiz, weshalb das eine der beiden Systeme auch das Deutsche System genannt wird. Die weite Welt kennt dagegen nur das so genannte Böhmsystem, benannt nach dem Münchner Erfinder Theobald Böhm benannt ist.
Der Unterschied ist leicht an der Mechanik zu erkennen: Beim Deutschen System sieht man zwei breite, man könnte sagen schmetterlingsförmige Hebel mit je einer Rolle.

An der gleichen Stelle finden Sie bei Klarinetten mit Böhmsystem vier, selten auch fünf „schuppenartige“ Klappen.

 

Gibt es Vorteile des einen oder anderen Griffsystems? Tatsächlich hat das Erlernen der Böhm-Griffe gewisse Vorteile: Zunächst liegen die Klappen enger zusammen und erlauben mehr alternative Griffmöglichkeiten. Weiter ist die Mechanik-Bestückung mit 17 Klappen und sechs Ringen immer gleich, egal, ob ein einfaches Schülerinstrument oder das beste Solistenmodell gespielt wird. Die geringere Klappen- und Ringezahl im Vergleich zum Deutschen System ist zwangsläufig auch weniger anfällig für Regulierungsfehler und damit einfacher in der Wartung. Die weltweite Verbreitung des Böhmsystems und die einheitliche, im Verhältnis geringe Klappenbestückung ermöglichen gewiss auch günstigere Kalkulationen bei den Herstellern. Somit errechnen sich bei etwa vergleichbarer Qualität niedrigere Preise.
Doch man sollte keinesfalls das Deutsche System vernachlässigen oder weniger empfehlen. Es ist immerhin das im deutschen Sprachraum gebräuchlichere. Deutsch-System-Klarinetten, zu denen auch die mit Oehler-System zählen, haben in der Regel eine etwas andere Bohrung, die auch in diesem Fall bewirkt, dass die Instrumente, wie argumentiert wird, weicher, zarter, aber auch fülliger klingen.

Das Oehler-System stellt eine Vervollkommnung des Deutschen Griffsystems dar. Zum Unterschied vom Böhmsystem haben die Deutsch-Griff-Klarinetten verschieden reiche Bestückungen, die auch deutlich zu sehen sind. Einfache Klarinetten beginnen bei 17 Klappen. Bei einer Bestückung von 24 bis 27 Klappen spricht man vom Oehler-System. Um eine Klarinette als Instrument mit Oehler-System zu erkennen, müssen Sie nicht mühsam die Klappen gezählt werden. Optisch ist es sofort an der gedeckelten Klappe im Unterstück (Rechte Hand, Mittelfinger A/E) zu erkennen. Hat die Oehler-Klarinette noch eine zusätzliche Resonanzklappe am Schallbecher, man nennt das Becher-Mechanik, so spricht man vom Voll-Oehler-System.

Qualitätsmerkmale bei Klarinetten

1. Konstruktion und das Know-how bzw. die Erfahrung des Herstellers
2. Holz-Verwendung: möglichst porenfrei! Holzbehandlung: lange, möglichst natürliche Lagerung
3. Verwendung des Materials für Mechanik und Ringe: Messing oder Neusilber, nachträgliche Oberflächen-Veredelung: Vernickelung, besser: Versilberung
4. Herstellungsart:
a) Handwerkliche Nacharbeitung der Innenbohrung d.h. Oberfläche polieren, Kanten fein abrunden (=Tonlochunterschneidung). Dadurch leichte Ansprache, mühelose Bindungen beim Spiel, hellerer Ton.
b) Klappen im Stanz- oder Guß-Verfahren mit handwerklicher Nacharbeitung, selten noch Handschmiedemechaniken bei Einzelstück-Anfertigung.
c) Metallringe an Kopplungen und am Becher als Schutz vor Beschädigung. Holzkopplungen sind empfindlich und können sich im Laufe der Zeit abnützen. Metallbewehrte Zapfen können dabei Abhilfe schaffen, sind aber bei Klarinetten eher selten zu finden. Klarinetten werden häufig in Großbetrieben in Serie hergestellt. Die Ergebnisse einer großenteils maschinellen Produktion sind durchaus gut zu nennen, wenn das Know-how modern und als zuverlässig bekannt ist. Instrumente aus künstlerischer Handarbeit zeichnen sich durch die besonders sorgfältige und fachmännische Auswahl höchster Holzqualität (z.B. durch lange, natürliche Ablagerung), sowie eine besonders gut gearbeitete Mechanik aus (gelegentlich Handschmiedeverfahren).

Klarinettenmundstücke, Ligaturen und Blätter

Mundstücke für Deutsches System haben eine schmale Bahn. In aller Regel befinden sich außen Rillen, da das Klarinettenblatt oft noch mit einer Wickelschnur am Mundstück befestigt wird. In neuerer Zeit werden aber auch bei Deutschen Mundstücken Ligaturen bzw. Blattschrauben aus Metall, Leder oder Hartgummi verwendet. Mundstücke für Böhm-Klarinetten haben eine breitere Bahn und sind außen glatt. Die Blätter werden traditionell mit einer Klammer aus Metall, Leder oder Hartgummi befestigt. Offene bzw. weite Bahnen sind für leichtere Blätter (Stärke 1 bis 2 1/2) geeignet, enge Bahnen für schwerere Blätter (3 bis 5).
Kürzere Bahnen (20 - 22 mm beim Deutschen System) geben einen mehr spitzen, scharfen Ton, mittlere bis lange Bahnen (24 - 26 mm beim Deutschen System) einen weichen, dunklen Klang. Kindern zwischen 9 und 12 Jahren sollte man eine kurze Bahn (etwa 22 mm beim Deutschen System) empfehlen, da sie eicht zu blasen ist. Ältere können dann schon eine mittlere Bahn (etwa 24 mm) blasen. Weitere Empfehlungen können hier kaum gegeben werden, da es sich bei der Wahl des Mundstückes nicht zuletzt um ganz individuelle Fakten handelt. Auf den Klang, die Intonation und Ansprache sollte aber geachtet erden.

Ligaturen sind Blattklammern bzw. Blattschrauben, die traditionell bei Böhmsystem-Mundstücken verwendet werden. Man geht aber heute auch bei Deutsch-System-Mundstücken statt Schnurwicklung mehr und mehr zu modernen Blattklammern über.
Ligaturen gibt es in verschiedenen Ausführungen, angefangen von der traditionellen Metallklammer bis zu neuesten Leder-, Kautschuk- oder Kunststoff-Klammern, die bei hoher Qualität teilweise noch spezielle Metall-Einlagen haben. Namhafte Klarinettisten bestätigen, dass diese Blattklammern einen erstaunlich hörbaren Einfluß auf die Klangqualität haben. Klarinettenblätter werden in den Stärken 1 - 5 bzw. weich bis sehr hart angeboten. Sie werden von den Musikern gelegentlich noch mit dünnem Schleifpapier oder getrocknetem Schachtelhalm nachgearbeitet und geschliffen und damit leichter, oder auch mit einem Blattabschneider gekürzt, versteift und damit schwerer gemacht.

Bekannte Marken bei Klarinettenblättern: B.K., Glotin, La Voz, Pflaumer, Mitchel Lurie, Rico, Rico Royal, Frederick Hemke, Steuer, Vandoren

Bekannte Klarinettenhersteller

Es handelt sich bei dieser Angabe um Holzblasinstrumenten-Hersteller, die sich besonders auch auf die Fertigung von Klarinetten spezialisiert haben:

Adler Amati Buffet Crampon Schreiber
Hammerschmidt Selmer Keilwerth Uebel
Wurlizer Marigaux Yamaha Jupiter

 

 

 

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